1. Einleitung
  2. Die Geschichte von Social Media
  3. Social Media Influencer
  4. Einfluss auf Kultur & Kommunikation
  5. Verlust der Privatsphäre
  6. Ein Blick in die Zukunft

Das Internet und die dadurch entstandenen sozialen Medien haben heutzutage einen enormen Einfluss unsere Gesellschaft. Für viele Menschen ist diese digitale Welt immer noch Neuland, zumindest gilt das für diejenigen, die vor dem Aufkommen der allgegenwärtigen Social Media Netzwerke aufgewachsen sind. Für die Generation Z und gröstenteils auch für Millenials ist das alles natürlich absolut natürlich, normal und selbstverständlich. Entsprechend wird darüber überhaupt nicht reflektiert. Die älteren Generationen mussten sich an Facebook und Co. erst mühsam rantasten und werden von der immer schnelleren Entwicklung was neue Social Media Plattformen angeht regelrecht überrollt.

Die Meinungen gehen entsprechend auseinander. Einige sehen in sozialen Netzwerken, dem „Web 2.0“,  einen wahren Segen und schwärmen von den positiven Auswirkungen, während andere nur die Schattenseiten sehen. Ist Social Media wirklich so „social“ wie der Begriff es vermuten lässt? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit wie immer irgendwo in der Mitte.

Die Geschichte von Social Media

Die Geschichte sozialer Netzwerke begann im Prinzip bereits im  Jahr 1971, als die Techniker von der „Advanced Research Projects Agency“ die ersten E-Mails in die Welt geschickt haben. Denn einige Jahre später erfanden darauf basierend zwei Spezialisten das erste Bulletin Bord. Hierbei handelt es sich um eine Forum-Software, mit der die neuesten Nachrichten im Freundeskreis diskutiert und ausgetauscht werden konnten. Dies führte dann zur Gründung von USENET in den 80er Jahren, eine wichtige Plattform für den Austausch von wissenschaftlichen Beiträgen. 

Das Internet, wie wir es heute kennen wurde schließlich 1989 eingeführt. Durch die Vernetzung wissenschaftlicher Artikel entwickelte Tim Berners-Lee damals ein Hypertext-System, welches den Grundstein für das heutige Internet (World Wide Web) bildete.

Das Netzwerk Geocities ging 1993 online und ermöglichte den Nutzern zum ersten Mal in der Geschichte ihre eigene Webseite zu erstellen und dann zu veröffentlichen. Ein Jahr später startete der Student Justin Hall seinen ersten Blog und verband sich so mit der Welt. Er gilt daher als der Urvater der Blogger-Szene, wie wir sie heute kennen. Hall könnte man als einen der ersten Social Media Influencer betrachten in einer Zeit, in der man diesen Begriff wohl nur mit der Grippeerkrankung „Influenza“ in Verbindung bringen konnte.

2002 – MySpace wird geboren

MySpace war das erste Soziale Netzwerk überhaupt und wurde 2002 ins Leben gerufen. Nun konnte man auf einfache Art und Weise mit Freunden und Bekannten über die Plattform kommunizieren. Mittlerweile ist MySpace allerdings größtenteils in Vergessenheit geraten, ein beweis dafür, wie schnelllebig das Internet doch ist.  Der virtuelle Todesstoß kam im März 2019, als bekannt wurde, dass MySpace bei einem missglückten Serverwechsel alle Fotos, Videos und Audiodateien verloren hat, die in den Jahren 2003 bis 2016 hochgeladen wurden.

2004 – Facebook & YouTube gehen online

Die Dauerrenner Facebook und YouTube erblickten das Licht beide im Jahre 2004. Ursprünglich war Facebook als internes soziales Netzwerk für Harvard-Studenten konzipiert. Es mauserte sich jedoch in den nächsten 9 Jahren zum absoluten Inbegriff für Social Media. Im Jahr 2006 erreichte Facebook den Status der am meisten besuchten Social-Media-Plattform weltweit mit 1,44 Milliarden aktiven Nutzern. Und auch heute noch ist Facebook das beliebteste soziale Netzwerk weltweit.

Im Gegensatz hierzu war YouTube von Anfang an eine Online Plattform für das breite Publikum, welches hier selbst erstellte Videos hochladen kann. 

2006 – Twitter geht online

Als am 21. März 2006 Twitter Online ging, war das eine echte Neuheit, Denn es handelt sich hierbei um einen sogenannten Microblogging-Dienst. Die „Tweets“ müssen sehr kurz sein und sind automatisch auf damals noch maximal 140 Zeichen beschränkt.  Sehr beliebt ist diese Art der Kommunikation auch bei Unternehmen, Politikern und Organisationen. Denn mit kurzen und prägnanten Nachrichten werden die Follower immer auf dem neuesten Stand gehalten. Wie wichtig Twitter und Co. geworden sind, zeigte sich bereits 2008 bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, bei der Barack Obama stark auf Social Media Media Kampagnen („Yes we can!“) gesetzt hatte. Und 2020? Der Präsident der Vereinigten Staaten benutzt Twitter als Hauptkanal für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Ob diese direkte und meist nicht besonders auf Fakten basierende Kommunikation in Zeiten von „Fake News“ nun positiv oder negativ ist, sei mal dahingestellt.

2010 Instagram wird als App für iOS geboren

2010 ging Instagram im Apple App Store live. Instagram wurde von Kevin Systrom und Mike Krieger entwickelt, welche auch heute noch an Bord sind.

Ende April 2012 wurde die Welt durch den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg überrascht. Facebook kaufte für eine Milliarde US-Dollar die Plattform Instagram. Das soziale Netzwerk hatte zu diesem Zeitpunkt gerade mal 30 Millionen monatlich aktive User und nur wenige Mitarbeiter. Allerdings wurde drei Wochen zuvor die Version für Android-Geräte veröffentlicht, was sicher für den weiteren Werdegang von Instagram entscheidend war.

2011 – Google+, Pinterest und Snapchat gehen online

Google+ und Pinterest sind relativ neu und erblickten erst im Jahre 2011 das Licht der Welt. Obwohl recht jung, erfreuen sich beide zunehmender Beliebtheit. Das von Google gegründete  soziale Netzwerk Google+ hatte bereits im März 2015 rund 300 Millionen User.

Pinterest bietet seinen Nutzern Bildersammlungen zu verschiedenen Themen, welche diese an virtuelle Pinnwände heften können. Andere Nutzer können diese wiederum teilen, kommentieren und liken. Für Unternehmen ist Pinterest eine ausgezeichnete Möglichkeit, die eigenen Marke zu positionieren und Produkte zu vermarkten.

Snapchat erblickte 2011 als App für iOS und Android das Licht der digitalen Welt und begann dann sogleich einen unglaublichen Siegeszug. Kein Wunder, das Mark Zuckerberg 2013 3 Milliarden US-Dollar für Snapchat bot. Vier Jahre später, Anfang 2017 wurde die App dann schon auf rund 25 Milliarden US-Dollar geschätzt.

2014 – Deutsche YouTube-Kanäle starten durch

2014 durchbrachen erstmals einige deutsche YouTube-Kanäle die 1-Million-Abonnenten-Marke – so zum Beispiel YouTuber „Gronkh“. Mittlerweile haben ihn fast 5 Millionen Menschen abonniert. Zahlen, die man sich nur schwer vorstellen kann.

2017 TikTok geht Online

TikTok ist in aller Munde, obwohl erst seit 2017 am Start. 2018 fusionierte die App mit Musical.ly. Mittlerweile hat TikTok sogar schon Facebook und Instagram mit über 800 Millionen weltweiten Downloads abgehängt. Auf TikTok kann man bekannterweise kurze Videoclips hochladen, die dann im Loop laufen. Zahlreiche Spielereien wie AR-Filter, Musik, Text, Hashtags und so weiter sorgen für reichlich kreative Möglichkeiten und der Unterhaltungswert bei Erstellern und Zuschauern ist immens. Entsprechend haben die meisten Unternehmen das riesige Potenzial von TikTok erkannt und nutzen die Plattform begeistert für ihr Marketing. So hat z.B. RedBull hier bereits 2.7 Millionen Follower. 

Social Media Influencer

Mit den sozialen Netzwerken hat sich eine komplette Subkultur von sogenannten Influencern entwickelt – sicherlich eine der wichtigen Veränderungen hervorgerufen durch die Social Media, vor allem auch im Bereich des Marketing.

Als Influencer werden Meinungsführer und Multiplikatoren im Social Web bezeichnet. Es handelt sich dabei um einflussreiche Personen im Netz, etwa um Blogger, Video Creator, Streamer oder prominente Instagram Persönlichkeiten. Beim Influencer-Marketing handelt es sich demnach um eine Marketingmethode, die diese Influencer miteinbezieht.

Der Vorteil ist, dass diese Form des Marketing nicht nur deutlich preiswerter als die traditionelle Werbung ist, sondern dass Influencer von den Kunden, besonders der Generation Z, als wesentlich glaubwürdiger empfunden werden, da sie von ihrer Zielgruppe oftmals als Idole wahrgenommen werden. Bei den Produktempfehlungen, die durch die Influencer ausgesprochen werden, kommt deren Reputation, Expertenstatus und Reichweite mit ins spiel und die Follower nehmen diese Reviews und Empfehlungen fast wie einen Geheimtipp von einem Familienmitglied oder einem Freund wahr.

Relevante Influencer fungieren als wunderbare Multiplikatoren des vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Content. Ich selbst sehe enormes Potential im Bereich Influencer Marketing, das etablierte Werbeformate wie Radio- oder Fernsehwerbung alt aussehen lässt. Aus diesem Grunde habe ich 2018 das StartUp Adfluencer in Schwaig bei Nürnberg gegründet, das bekannte Social Media Creator mit Brands & Advertisern verbindet. Unternehmen können verschiedene Ziele verfolgen, wenn sie die Dienste eines Influencers in Anspruch nehmen, z.B.:

  • Steigerung des Bekanntheitsgrad des Unternehmens
  • Erhöhung des Traffics auf die Website des Unternehmens
  • Generierung von mehr Social Signals (Likes, Kommentare etc.)

Selbstverständlich kann das Phänomen der Influencer auch kritisch betrachtet werden, denn oft ist alles mehr Schein als Sein und insbesondere Jugendliche lassen sich davon trügen und werden oft eher negativ beeinflusst. Vor allem Teenager sind in ihrer Persönlichkeit noch nicht vollentwickelt und eher unsicher. Das anscheinend perfekte Leben der glamourösen Influencer setzt hier eine zu hohe und unerreichbare Marke und viele Jugendlich verzweifeln in ihren Versuchen, es den Idolen gleich zu tun.

Einfluss auf Kultur und  Kommunikation

Selbstverständlich haben die Social Media Plattformen eine riesige Reichweite, denn typischerweise operieren sie weltweit – von einigen lokalen Plattformen abgesehen. Dies bedeutet zum einen, dass man auf einfache Art und Weise an Informationen aus aller Herren Länder gelangen kann. Fremde Kulturen kommen uns näher und Brücken können geschlagen werden. Viele Menschen sind durch soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, TikTok und Co. in der Lage Kontakt mit Familienmitgliedern und Freunden in verschiedenen Ländern aufrecht zu erhalten. Wir alle können Fotos und Informationen von Menschen in allen Teilen der Welt einfach genießen. Die Kommunikation ist schnell, agil und effizient. Und vor allem „kostenlos“, abgesehen von den Daten, die über uns gesammelt und für Werbezwecke verwendet werden. Wir können Nachrichtenkanälen und Blogs folgen, die uns über Themen unseres Interesses auf dem Laufenden halten.

Wörter wie „Hashtags“, „Follower“, „Shares“ oder „liken“, die dem englischen Sprachgebrauch entstammen, werden in allen möglichen Sprachen, wie z.B. in der deutschen, russischen, französischen, chinesischen oder spanischen Sprache gleichermaßen genutzt und verstanden. Facebook und andere soziale Netzwerke haben uns auch hier zusammengerückt und für Verständigung gesorgt.

Was den Sprachgebrauch angeht, ist allerdings auch eine negative Tendenz zu beobachten. Denn durch den begrenzten Raum, bei Twitter beispielsweise von vorneherein auf 140 Zeichen, heute auf 280 Zeichen, beschränkt, wird oft ziemlich die korrekte Anwendung der Grammatik und Rechtschreibung vernachlässigt.

In der Kürze liegt die Würze und Blogger wissen, dass sie in den ersten Sekunden die Aufmerksamkeit der Leser fesseln müssen, sonst wird weiter „gescrollt“. Es gilt, schnell auf den Punkt zu kommen. Smalltalk und belangloses Geplänkel sind out. Hierunter leidet natürlich ein etwas kunstvollerer und gehobenerer Schreibstil. Ob man dies als Vor- oder Nachteil empfindet, sei dahingestellt – die Meinungen gehen auseinander.

Durch Social Media, wie auch durch das Internet generell, ist die Welt kleiner geworden, Information ist einfach zu bekommen. Sie steht allen zur Verfügung, nicht nur wie früher einer kleinen Elite. Viele bewerten dies als demokratisch, sozial und erstrebenswert. In vielen Fällen ist dies auch sicherlich der Fall. Allerdings hat sich gleichzeitig eine gewissen Kritiklosigkeit breit gemacht. Von den breiten Massen werden viele Informationen nicht in Frage gestellt, überprüft, oder mit kritischen Augen betrachtet, Fake News sind and er Tagesordnung und Gerüchte und Falschinformationen verbreiten sich wie ein Lauffeuer. „Media Awareness“ lautet das Stichwort, doch oftmals ist es für viele nicht einfach, den Wahrheritsgehalt einer Quelle richtig einzuordnen.

Verlust der Privatsphäre

Eine weitere Veränderung, die durch Social Media, wie Facebook hervorgerufen wurde, ist der Umgang mit unserer Privatsphäre. Viele Benutzer posten eifrig Bilder vom Urlaub, dem Restaurantbesuch, den Kindern usw. Und selbst wer selbst auf seine Privatsphäre Wert legt und versucht diese zu schützen ist nicht sicher davor, dass nicht ein Freund von einem Freund ein Foto von der letzten Party postet und verschiedene Personen mit einem Tag versieht. Dies hat zur Folge das plötzlich sehr schnell sehr viele Menschen unsere Fotos auf den sozialen Plattformen bewundern können, ob wir dies möchten oder nicht. So hat so manch ein Facebook Post sogar schon zur Scheidung geführt.

Und auch Unternehmen stellen auf Social Media Investigationen über zukünftige Angestellte noch vor dem ersten Bewerbungsgespräch an. Wer in Social Media von einer Party zur nächsten jettet, etwas radikale politische Meinungen vertritt etc., verschließt sich eventuell so manch eine Tür und schadet seiner beruflichen Karriere.

Ein Blick in die Zukunft

Wo bisher diverse Social Media Plattformen aus westlichen Länder wie Instagram, Facebook & YouTube in direktem Konkurrenzkampf um neuen Nutzer standen, treten immer wieder neue Konkurrenten in Erscheinung, besonders aus China. TikTok ist hierbei die erste chinesische Plattform, die den internationalen Durchbruch geschafft haben. Doch auch die hierzulande relativ unbekannten Giganten Tencent, Weibo & WeChat haben bereits Nutzerzahlen, die man sich kaum vorstellen kann. Doch wie sieht die Zukunft sozialer Medien aus? Facebook kaufte vor einigen Jahren die Firma Oculus, die auf die Entwicklung von Virtual Reality Brillen spezialisiert ist. Mark Zuckerberg gab offen zu, dass man bereits Möglichkeiten für ein Virtual Reality Social Media Netzwerk testet. Vor kurzem wurde in diesem zusammenhang auch Facebook Horizon angekündigt, eine Art digitale VR Welt, die man zusammen mit Freunden erkunden kann. Wie diese Entwicklung weitergehen könnte, zeigt der Film „Ready Player One“ von Steven Spielberg. Nutzer verbringen den größten Teil ihrer Freizeit in einer gigantischen virtuellen VR Welt & treffen sich dort mit anderen Usern. Das gesamte Leben spielt sich dort ab. Ein ähnliches Zukunftsszenario zeigt auch die Light Novel Reihe „Sword Art Online“ des Autors Reki Kawahara, die auch als Anime und Manga adaptiert wurde. 

Bereits heutzutage werden mit Hilfe von „Big Data“ Deep Learning Algorithmen eingesetzt, um Nutzern eine möglichst personalisierte User Experience bieten zu können. 

Soziale Medien haben ganz sicher unser Leben verändert und sind kaum mehr wegzudenken. Ob dieser Einfluss nun positiv oder negativ ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, im Endeffekt hängt es stark vom persönlichen Umgang mit sozialen Medien ab. Insbesondere Eltern stehen vor einem nicht unbeachtlichen Problem, die richtige Balance zu finden. Denn der Generation Z Social Media zu verbieten oder zu begrenzen ist schier unmöglich und laut Experten auch nicht unbedingt ratsam. 

Sicherlich wird die Entwicklung bereits vorhandener als auch neuer Social Media Netzwerke stetig weitergehen und wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft in Sachen sozialer Netzwerke noch mit sich bringt.